Alpenüberquerung 27.12.2016 Sitterdorf - Castellucchio (I)

Seit Tagen verfolge ich das Wetter und mache am 27.12.2016 ein Zeitfenster aus, das sich für mein lange geplantes Vorhaben eignet. Eine Alpenüberquerung mit meinem 2000m3 (BB20E von Kubicek balloons) grossen, mit Polyesterstoff ausgerüsteten slow-fly.ch Ballon. Nach zwei Testfahrten,  (über längere Distanzen)ein Jahr zuvor, habe ich zuverlässige Verbrauchszahlen für diese Ballongrösse . In Zusammenarbeit mit Stefan Zeberli ist es für mich möglich diese lange und anspruchsvolle Fahrt durchzuführen. Stefan führt mich mit der Flugsicherung Skyguide und Italien bis in die Poebene bei Castellucchio nördlich von Parma. Zum Wetter. Wir liegen am Südostrand des Hochs das mit 1048hpa sehr kräftig ist. In Italien ist der Druck bei 1040hpa also 8hpa unterschied. Wichtig ist, dass die Poebene kein Nebel hat, die Berge nicht in einer Staulage mit Bewölkung liegen und der Bodenwind mit 12kmh für eine perfekte Landung auch passt.

Pünktlich heben wir um 10.40Uhr auf dem Flugplatz Sitterdorf im Thurgau ab. Die Ausrüstung besteht aus Vier Alu Zylinder mit je 38l zwei VA 50 mit 42l und einer VA70 mit 56l Total 292l , weiter ist Sauerstoff und ein Lunchpaket dabei. Elektrisch ist ein Becker und Icom Funk 8.33Mhz ein Flytec 6040 Vario und ein Garmin GPS dabei, Mit Hilfe des Transponders Mode S bin ich bei dieser Fahrt für jedermann am Radar zu sehen. Schon sehr früh setze ich den Sauerstoff in betrieb damit ich keine Einschränkungen habe auf grosser Höhe. Mit einer steigrate von 1.5m/s geht’s hoch bis 7200ft. Und Fahren so zur Mittellandlinie die uns dann weiter steigen bis FL 140 erlaubt. Wir lassen es aber auf FL 125 laufen mit 60-70km/h  und ohne Turbulenzen Richtung 160°. Über  Malbun ist die erste Flasche mit 38Liter nach 40min leer. Ich rechne das erste Mal meinen Verbrauch aus den der Ballon nun tatsächlich hat. Kalkuliert habe ich mit 0.75l/min der Verbrauch liegt mit 0.95l/min genau da wie ich berechnet habe.

Ein Isolierter Ballon verbraucht ca. 15kg/h, da liege ich mit 21.6kg/h im Vergleich nicht schlecht. Da ich jetzt nicht mehr aufsteigen muss, wird der Verbrauch immer besser und die zweite Flasche reicht bereits 50min.Die dritte Flasche ist über dem Bernina Massiv am leer werden,nun nimmt auch der Speed zu, in fünfer schritten bis zum max. Speed von 134km/h. Ende der Alpenkette ist die vierte Flasche leer, jeweils eine Worthingten mir 38l Gas. Ich habe nun noch zwei VA 50 und eine VA70 zur Verfügung. Mit der ersten VA 50 fahre ich nun auf FL 140 mit 100km/h in die Poebene hinaus. Die Temperatur in der Ballonhülle liegt bei 70°C und die Stoff Temperatur bei 60°C die aussen Luft ist auf dieser Höhe bei minus 15°C. Stefan hat mich sauber nach Italien geführt, herzlichen Dank dafür.

Kurz vor dem Po dürfen wir das sinken einleiten, ich sinke mit bis zu 6m/s  so bin ich  nach 12 Min auf Baumwipfel Höhe und suche mir eine geeignete Landemöglichkeit, was nicht sehr einfach ist. Ein Acker nach dem andern. Ich versuche daher, so nah wie möglich am Rand zu Landen, damit sich der Flurschaden in Grenzen hält und entleere den Ballon direkt. Die Freude ist gross dass das Vorhaben nun nach 4:15h Fahrzeit, 295km zurückgelegtem Weg und einem Verbrauch von 182l Gas geglückt ist. Nun gebe ich meiner Verfolgerin  meine Landeposition ab meinem Garmin GPS durch, sie gibt diese im Garmin Navi im gleichen Format ein. Ruth ist zu diesem Zeitpunkt am Zoll in Chiasso. Alle drei Verfolger fahren im Konvoi in die Lombardei, zehn min vor meiner Position trennen sie sich und suchen den jeweiligen Ballon. Ruth trifft um 18.00uhr bei mir ein. Nach einer kurzen Begrüssung  verladen wir das ganze Ballonmaterial in den Hänger.

Bereits um 18.30 sind wir auf dem Rückweg nach Hause. Bei der Raststätte Bellinzona machen wir einen Halt und schlagen uns am Buffet den Bauch voll. Eugen Nussbaumer, der separat von Zuhause aus mit seinem Ballon in die gleiche Gegend gefahren ist, stösst zu uns und macht uns darauf aufmerksam dass die A13 wegen Waldbrand gesperrt ist. Wir müssen nun die Gotthard Route wählen und via Zürich nach Hause fahren,  was uns fast eine Stunde Zeit kostet. Nachts um 02.00Uhr kommen wir wohlbehalten zu Hause an. Unser Auto hat jetzt 1055km auf dem Tageszähler erreicht. Müde und glücklich Träume ich von dieser schönen Ballonfahrt, ganz alleine in einem Teknokorb hoch über den Schweizer Alpen.